Nachruf | 31. Januar 2022

Brigitte Kowanz (1957–2022)

von Danielle Spera
© Danielle Spera
Das Jüdische Museum Wien trauert um Brigitte Kowanz (1957–2022). Licht einen Raum zu geben war das Motto der einzigartigen österreichischen Künstlerin. Sie studierte an der Universität für Angewandte Kunst und unterrichtete später dort von 1997 bis 2021 als Professorin. Am Beginn ihres Wirkens standen gemeinsame Arbeiten mit Franz Graf, bis sie sich ab den 1980er Jahren dem Licht bzw. auch der Physik des Lichts zuwendete. Sie beschäftigte sich mit Lichtgeschwindigkeit, mit Sprache und deren Übersetzung in Codes, auch mit dem Morsealphabet. Gläser und Spiegel wurden Teil ihrer Arbeit, wobei Raum und Spiegel in den Werken von Brigitte Kowanz einander durchdringen. Für ihre Arbeit wurde Brigitte Kowanz vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem österreichischen Staatspreis. Gemeinsam mit Erwin Wurm hat Brigitte Kowanz Österreich 2017 bei der Biennale in Venedig vertreten.

Besonders glücklich war ich darüber, dass Brigitte Kowanz sofort zusagte als ich sie bat, das Jüdische Museum Wien an seinem Standort in der Dorotheergasse auch nach außen als Wahrzeichen Wiens sichtbar zu machen. Die Idee für die Akzentuierung des Hauses durch eine Lichtinstallation beschrieb Brigitte Kowanz so: „Nach einigen Überlegungen entschied ich mich für die hebräische Schrift, die ich besonders interessant finde. Ihre zeichenhafte Qualität veranlasste mich, die Installation ganz auf diese Schrift aufzubauen.“ Brigitte Kowanz entwarf ein über einen Teil der Länge der Fassade reichendes Neon: „Museon“ in hebräischen Buchstaben. Finanziert von den FREUNDEN des Jüdischen Museums leuchtet es weithin sichtbar in der Dorotheergasse und wird auch hier immer an die großartige österreichische Künstlerin erinnern.

Als Professorin für Transmediale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst hat Brigitte Kowanz das Jüdische Museum bei einem ganz besonderen Projekt begleitet: Die Lichtstelen OT (hebr. für Zeichen oder Symbol) von Lukas Kaufmann wurden von ihr und unserem Team eng begleitet und stehen in ganz Wien als Zeichen für die 25 Wiener Synagogen, die 1938 im Novemberpogrom zerstört wurden.

Brigitte Kowanz war für mich nicht nur eine der interessantesten und herausragenden Künstlerinnen, sondern auch eine langjährige Freundin. So waren in der Aufbruchsstimmung der 1980er Jahre die Wunderbar, das Schoko und andere legendäre Lokale der Kunstszene unsere Treffpunkte. Dass uns das Jüdische Museum auch in familiärer Hinsicht noch enger zusammengebracht hat, war eine ganz besondere Abrundung unserer Freundschaft. Brigittes Sohn Adrian hat uns als Zivildiener begleitet und engagiert unterstützt, womit auch die gute emotionale Verbundenheit auf die nächste Generation überging. Unser herzliches Beileid gilt ihm und der Familie. Brigitte hat sich mit ihrer besonders liebenswerten, ruhigen, überlegten und klugen Art in der Kunstwelt abgehoben. Für mich wird sie immer unvergesslich bleiben.

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© Danielle Spera
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