Ausstellungsvorbereitungen | 31. Januar 2017

Der ‚jüdische‘ Elvis

von Marcus G. Patka
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Elvis war der erste Weiße, der sang und tanzte wie ein Schwarzer, das war das Geheimnis seines Erfolgs. Aber das Phänomen Elvis Presley wäre auch nicht ohne Menschen jüdischer Herkunft möglich gewesen, die zumeist im Hintergrund agierten. Davon erzählt eine Ausstellung, die anlässlich des 40. Todestags von Elvis im Jüdischen Museum Wien stattfindet.
 
„Elvis erzählte uns, dass vor langer Zeit auch ein kleiner Teil seiner Familie mütterlicherseits jüdischer Herkunft gewesen sei, aber wir gingen davon aus, dass seine Sympathie für Juden zwei Ereignissen entsprang: Als die Familie Presley von Mississippi nach Memphis übersiedelte konnte sie anfangs keine Unterkunft finden, doch ein Rabbiner überließ ihnen die Erdgeschoßwohnung seines Hauses.“ So Alan Fortas über Elvis, der als evangelikaler Protestant aufgewachsen war. Sein Kreis an persönlichen Freunden und Mitarbeitern wurde „Memphis Mafia“ genannt. Diese hatte auch einige jüdische Mitglieder wie den genannten Alan Fortas, dazu George Klein und Marty Lackner. Elvis kannte sie alle noch aus seiner Jugend, daher vertraute er ihnen.
 
Das US-Showbiz war in den 1950er Jahren noch viel mehr von jüdischen Akteuren geprägt als heute: Die aus Wien stammenden Brüdern Jean und Julian Aberbach waren vor dem NS-Regime geflüchtet, sie gründeten 1944 den Musikverlag Hill and Range Songs. Der ebenfalls in Wien aufgewachsene „Song-Plugger“ Freddy Bienstock suchte über zwölf Jahre lang alle Songs für Elvis aus, denn hier waren fast alle Elvis Komponisten unter Vertrag.
Julian und Jean Aberbach, um 1990 (c) Susan Aberbach
 
Mit den Rock‘n‘Rollern Jerry Leiber und Mike Stoller schaffte Elvis im Film Jailhouse Rock den großen Durchbruch, sie schufen auch den legendären Song Hound Dog. Hinzu kam das Duo Doc Pomus und Mort Shuman, die Little Sister und 24 weitere Hits beisteuerten. Ben Weisman brach alle Rekorde und schrieb 57 Titel für Elvis.
Mike Stoller und Jerry Leiber, um 1955 (c) Peter Stoller
Doc Pomus und Mort Shuman (c) Isabelle Maria-Pia Shuman
 
Alan Fortas erzählte noch eine andere Anekdote: „Elvis vergaß auch niemals die Menschen, die gut zu ihm gewesen waren, als er noch gar nichts besaß und daher erinnerte er sich auch immer an die jüdischen Kaufmänner, die ihm weiterhin Kredit gaben, auch wenn kein anderer das mehr machen wollte. Dazu gehörten die Lansky-Brüder, Bernard und Guy, welche die schwarzen Zuhälter und Stricher mit extravaganter Kleidung versorgten (Elvis trieb sich einige Zeit in den dortigen Bars herum), und die Elvis eine ebenso gestylte wie körperbetonte Kombination in rosa und schwarz verkauften und seine glänzenden Kunststoffschuhe. Scotty Moore erinnerte sich, dass seine Frau fast aus dem Haus geflüchtet wäre, als ihn der mit einem rosa Anzug und weißen Schuhen wie ein Gockel herausgeputzte Elvis besuchte.“
Billy Smith, Alan Fortas, Richard Davis, Gaststar Jim Brown, Elvis Presley, Joe Esposito, Marty Lacker und Jimmy Kingsley, um 1960 (c) The Alanna Nash collection
 
In dieser frühen Phase wurde Elvis vielfach von einem jungen Fotografen namens Alfred Wertheimer abgelichtet, diese Schwarz-Weiß-Fotos bestechen bis heute durch ihre einzigartige Intimität. Wertheimer wurde 1929 in Coburg geboren und konnte Deutschland 1936 gerade noch mit seinen Eltern verlassen. Ach ja: Und dann gibt es noch Trude Forsher! Sie konnte im August 1938 mit knapper Not aus Wien entkommen und hatte für einige Jahre einen Job, um den sie alle Teenager dieser Zeit beneideten: Sie war Elvis‘ Sekretärin in Hollywood und erlebte ihn hautnah – aber das ist eine andere Geschichte, die wir in der Ausstellung Trude & Elvis. Wien – Memphis – Hollywood erzählen.
Elvis und Trude Forsher, 1960 (c) James Forsher Estate
 
Die Ausstellung Trude & Elvis. Wien - Memphis - Hollywood ist von 5. April bis 12. November 2017 im Museum Dorotheergasse - Palais Eskeles zu sehen.
 
 
 
Titelbild: Trude und Elvis (c) James Forsher Estate