Hinter den Kulissen | 22. August 2015

Wiesenthal in Wien Backstage – auf Recherche im „Simon Wiesenthal Archiv Wien“

von Astrid Peterle
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Keine Ausstellung ohne Objekte – dieser Museumsgrundsatz gilt natürlich auch für eine Ausstellung über das Leben und Wirken einer großen Persönlichkeit. Das Jüdische Museum Wien widmet Simon Wiesenthal anlässlich des 10. Todestages eine Ausstellung im Museum Judenplatz. In zehn Kapiteln wird Wiesenthals kompromisslose Arbeit gegen das Vergessen, die wie keine andere die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in seiner Wahlheimat Österreich bzw. Wien geprägt hat, gewürdigt. Auf der Suche nach Ausstellungsobjekten wurde das kuratorische Team des Museums vor allem im „Simon Wiesenthal Archiv Wien“ fündig.

Das Archiv befindet sich am selben Ort, an dem sich Wiesenthals „Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes“ seit 1975 befand. Das Archiv ordnet die umfangreichen Bestände und macht sie für wissenschaftliche Forschung zugänglich. Bereits beim Betreten des Gebäudes in der Salztorgasse fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt, typische 60er-Jahre-Architektur, auch im Archiv, durch das sich ein markanter Schwarz-Weiß-Linoleumboden zieht. Das Archiv wird von Michaela Vocelka geleitet, die unser Team nicht nur in der Vorarbeit zur Ausstellung sondern auch kuratorisch tatkräftig unterstützte. In die nahezu unveränderte Arbeitsstätte Wiesenthals einzutauchen bot einen besonderen Reiz, mitunter glaubt man Wiesenthal jeden Moment um die Ecke in den größten Raum biegen zu sehen, um eine Akte aus den unzähligen Archivschachteln anzufordern. Meterlang zieht sich hier der Schatz des Archivs, mit Namen und Institutionen  beschriftete Schachteln, in den tausende Akte zu von Wiesenthal „beforschten“ Personen lagern. In Papiermappen finden sich hauchdünne Durchschlagspapiere von Schreiben von und an Wiesenthal zu bestimmten „Fällen“, Zeitungsausschnitte, Fotos etc., mittels derer Wiesenthal lange vor Erfindung des Internets und Suchmaschinen seine „Fälle“ er- und bearbeitete. Neben den Arbeitsmaterialien befinden sich im Archiv auch hunderte Fotos, die das ereignisreiche Leben Wiesenthals dokumentieren und von denen wir eine Auswahl in unserer Ausstellung zeigen. Während uns die winzigen Fotos aus den ersten Jahren nach seiner Befreiung, die Wiesenthal stark abgemagert aber mit kämpferischem Einsatz für die jüdischen Flüchtlinge in den Displaced-Persons-Lagern in Österreich zeigen, berührten, kamen wir beim Anblick so mancher Hollywood-Celebrity-Fotos nicht aus dem schmunzelnden Staunen heraus, vor allem Liz Taylor schien sehr von Wiesenthal angetan gewesen zu sein, wie zahlreiche Umarmungsfotos bezeugen. In den Gängen des Archivs finden sich unzählige Urkunden zu hohen Auszeichnungen, die Wiesenthal Zeit seines Lebens erhalten hat – mit Ausnahme des Friedensnobelpreises, den er trotz Favoritenrolle nie verliehen bekam.

Auch wenn vieles von seiner Person in den Räumlichkeiten noch zu spüren ist, sein eigentliches Zimmer, das kleinste übrigens, wurde nach seinem Tod eins zu eins in das Museum of Tolerance nach Los Angeles überführt, in dem es als Installation zu besichtigen ist. Anstelle seines Zimmers befindet sich heute die Bibliothek des Archivs, in der BesucherInnen in den von Wiesenthal verfassten Büchern schmökern können, bei Interesse auch in Ausgaben in japanischer und vielen anderen Sprachen.

Welche Objekte wir für unsere Ausstellung im „Simon Wiesenthal Archiv“ gefunden haben, das können Sie bis zum 8. Mai 2016 im Museum Judenplatz erfahren.