Nahaufnahme | 28. Dezember 2020

Auf der Suche nach dem Glück

von Hannah Landsmann
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... finden sich im Inventar des Jüdischen Museums Wien 78 Einträge, darunter der Familienname Glück, Glück- und Segenswünsche für das jüdische Neujahrsfest im Herbst, Glückwünsche zum Geburtstag und am Ende von Briefen. Das hebräische Wort in der Schreibung „Mazal“ findet sich neun Mal, darunter Eheurkunden, Hochzeitsringe und Tora-Wimpel. Der Begriff „Amulett“ liefert 64 Treffer.

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Dieses Objekt ist im Schaudepot des Jüdischen Museums Wien im dritten Stock ausgestellt. Es handelt sich um eine „Chamsa“ – von „chamesch“ für „fünf“, die fünf Finger einer Hand. Als „Hand der Fatima“ erkennen es Besucherinnen und Besucher, die den Gegenstand als Glücksbringer in Form von unterschiedlichsten Anhängern – Kette, Armband, Tür- oder Autoschlüssel – kennen und in Verwendung haben. Fatima ist die jüngste Tochter des Propheten Mohammed. Ihre Nachkommen blieben als einzige bis ins Erwachsenenalter am Leben und sie gilt als Vorfahrin aller Nachkommen Mohammeds. Auf unaufdringliche Weise verbinden sich so die Kulturen und Religionen, wer möchte sich nicht vor Übel oder Ungemach aller Art schützen?
 
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Unmittelbar daneben liegt ein Amulett, welches von Säuglingen und Kindern getragen wird. In den Kapseln befinden sich Zitate aus dem Koran. Wie dieses Objekt in die Sammlung des Jüdischen Museums Wien gelangte, ist nicht klar. Im Inventarbuch des alten jüdischen Museums ist es nicht verzeichnet. Die Kollegen im 1895 gegründeten ersten jüdischen Museums waren sehr genau, so dass sich das Objekt eigentlich finden lassen müsste. Wahrscheinlicher ist, dass dieses Amulett in den 1940er-Jahren der Sammlung des ersten jüdischen Museums zugeordnet wurde, obwohl es in den Bestand des damaligen Völkerkundemuseums gehörte. Nach der Schließung des jüdischen Museums am Standort Malzgasse 16 im Mai 1938 wurde die Hälfte des Bestandes inventarisiert und an andere Wiener Museen übergeben, aus denen die 1939 bis 1942 laufende antisemitische Ausstellung im Naturhistorischen Museum bestückt wurde. In den 1950er-Jahren wurden die Objekte aus dem ersten jüdischen Museum an die Israelitische Kultusgemeinde zurückgegeben.
 
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Ebenfalls aus der Sammlung des alten jüdischen Museums stammt dieser „Kindbettzettel“ und war in der von Isidor Kaufmann gestalteten „Guten Stube“ ausgestellt. Diese „Rauminstallation“ sollte mit Einrichtungsgegenständen und Kultgerät über den wöchentlichen Ruhetag Schabbat informieren und erfreute sich großer Beliebtheit. Wöchnerinnen und Neugeborene sind gefährdet, von Lilit, Adams erster Frau, heimgesucht zu werden. Im Zimmer der Wöchnerin werden daher am besten an allen vier Wänden solche Kindbettzettel angebracht, um Lilit fern zu halten. Lilit wollte sich Adam nicht unterordnen, verließ das Paradies und kehrte nicht zurück. Seither geistert sie nachts umher, raubt Männern ihren Samen und tötet neugeborene Kinder. Im Feminismus wurde Lilit die Gegenfigur zur biblischen Eva.
 
 
Zum bürgerlichen Jahreswechsel wünscht Ihnen das Team des Jüdischen Museums Wien alles Gute oder, um mit der berühmten Tante Jolesch zu sprechen: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist.“ Die Formulierung lautet eigentlich „abhüten“, kommt vom Jiddischen „ophiten“ und meint „bewahren“. Ein Ausspruch mit hohem Gebrauchswert, denn es kann immer noch schlimmer kommen…
 
Titelbild © JMW