Detailansicht des 7. Gemeindebezirks in der unteren Mitte
A Map With 1000 Words
Nikolaus Gansterer
2013
Papier, Kleber, Nägel, Sperrholz
202.5 x 303 x 16 cm
Spende von Nikolaus Gansterer und The Vienna Project
Als Praktikantin, die zum ersten Mal durch die Dauerausstellung „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“ im Jüdischen Museum in der Dorotheergasse ging, zog mich die im Gang zu den Toiletten im zweiten Stock versteckte Collage an. Ihre späte Aufnahme in die Ausstellung könnte zu ihrer „versteckten“ Platzierung beigetragen haben, aber es ist ein Werk, das es lohnt, entdeckt zu werden. Als einziges seiner Art in der Ausstellung sticht die Memory Map von Nikolaus Gansterer unter den Gemälden und Fotografien, die es umgeben, besonders hervor. Mit drei übereinanderliegenden Schichten, die sich gleichzeitig ergänzen und doch einander verdecken, fügt die Memory Map eine allgemeine Karte der Stadt aus der Zeit vor 1945 zusammen. Sie enthält Zettel aus Briefen von Wiener jüdischen Individuen, die über die Deportationen während des Zweiten Weltkriegs berichteten.
Die Memory Map war ursprünglich als Idee für eine dreidimensionale virtuelle Karte in der App „The Vienna Project“ gedacht. Sie sollte bei der Navigation jedner 38 Oerte in der Stadt helfen, die an einer künstlerischen Erinnerungsaktion zur Zeit des Nationalsozialismus teilnahmen. Doch das Kunstwerk wurde schnell mehr als nur ein einfaches Online-Navigationswerkzeug. Die Direktorin des Projekts, Karen Frostig, beauftragte die Umsetzung des Kunstwerks, um die Idee einer 3D-Karte zum Leben zu erwecken. Das Werk macht die primären Berichte von Überlebenden des Holocausts greifbar. Da „The Vienna Project“ ein temporäres Projekt
von Oktober 2013 bis Oktober 2014 war, ermöglicht die Spende der physischen Karte an das Jüdische Museum Wien im Jahr 2014 eine Fortführung der Bekräftigung der jüdischen Resilienz in einem neuen Jahrzehnt.
Als jemand, der ohne Vorwissen die Ausstellung betrat, hätte ich nie mit einem Werk mit so vielen kleinen Nouancen gerechnet. Je länger man die Collage betrachtet, desto mehr Aspekte scheinen hervorzutreten. Zunächst konnte ich nicht erkennen, was die drei hervorgehobenen Bereiche der Karte bedeuten. Doch je länger ich dort stand und starrte, traten sie aus dem Meer der Papiere hervor. Die Tatsache, dass die Zerstörung verdeckt ist, traf mich besonders. Es weist darauf hin, wie Menschen die ausgelöschten Leben möglicherweise nicht erkennen, ohne explizit danach zu suchen und zeigt die Aufgabe der Menschen im 21. Jahrhundert auf, das Erbe jüdischer Gemeinden zu bewahren. Die hunderten von Zetteln, die auf die Karte genagelt sind, erscheinen in ihrer Darstellung des Chaos, das jüdische Menschen 1938 erlebten, als sehr bewusst eingesetzt, zusätzlich dazu, dass die tatsächlichen Worte der von den Deportationen und Zerstörungen Betroffenen dargestellt werden. Bei der Größe der Karte und all dem, was darauf zu sehen ist, symbolisiert mein umherflimmernder Blick über die Briefe das Gefühl der Panik der damaligen Zeit. Je länger ich die Papiere betrachtete, desto mehr wurden die verschiedenen Linien, die Gansterer aufgedruckt und an die Karte geheftet hatte, sichtbar.
Der Schichteffekt der Memory Map ermöglicht es den Betrachtern, wie mir, unterschiedliche Gefühle und Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs zu erleben, indem er verschiedene Fragmente zu einem Ganzen verweben. Die Kombination der drei Aspekte in einer Karte macht das Werk umso eindrucksvoller, nicht nur wegen der Größe und des Mediums, sondern auch wegen der Stimmung, die es beim Betrachter hervorruft.


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