Nachruf | 28. Juni 2020

Susanne Perl 1922-2020

von Danielle Spera
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Das Jüdische Museum Wien trauert um eine wichtige Freundin und Förderin: Susanne Perl, die im Alter von 98 Jahren in New York für immer von uns gegangen ist. Geboren am 9. August 1922 als Tochter des Kaufmanns Max und der Hausfrau Elsa Spritzer in Wien, wuchs sie in der Jägerstrasse in Brigittenau auf. Der Augarten war ihr Spielplatz und Treffpunkt ihres unbeschwerten Aufwachsens. Der „Anschluss“ beendet die Leichtigkeit des jugendlichen Lebens. Susanne hat Glück, sie findet Platz auf einem Kindertransport. Bis in ihr hohes Alter wusste sie ihre Transportnummer auswendig: 7356.

In Schottland wird sie gut aufgenommen, sie vermisste ihre Eltern und ihren Bruder, jedoch das Bewusstsein, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist, half ihr über die schwierige Zeit. 1941 gelangte sie nach Kanada und von dort mit dem Zug nach New York, wo sie mit ihrer Mutter und ein Jahr später mit ihrem Vater wieder vereint wurde. In New York lernte sie den ebenfalls aus Wien stammenden Otto Perl kennen, die beiden heirateten 1943. Otto Perl wurde ein angesehener Schneider, der u. a. für Leonard Bernstein Anzüge und vor allem seine Fracks anfertigt. Susanne Perl sagte dazu mit einem Augenzwinkern: „Unsere Firma hieß Otto Perl limited. Mein Mann war Otto Perl und ich war the Limited“.

Susanne Perl war nicht nur eine interessante und eloquente Gesprächspartnerin, sondern beeindruckte ebenso durch ihr immer elegantes und geschmackvolles Auftreten, bewahrte sich dabei auch immer ihre Natürlichkeit. Der Dokumentarfilm „Vienna´s lost daughters“ zeichnete Susanne Perls Leben nach. Aus ihrer 71-jährigen Ehe mit Otto Perl stammen drei Kinder: Larry, Monica, and Martin.

Martin Perl verdanken wir viele Einblicke in das Leben der Familie und auch viele wunderbare Begegnungen mit seiner Mutter. Wir schätzen uns glücklich, dass wir durch Susanne und Martin Perl engagiert bei zwei Ausstellungsprojekten unterstützt wurden: Unsere Ausstellung: Leonard Bernstein: Ein New Yorker in Wien, wäre ohne die großartigen Leihgaben der Familie Perl aber auch durch das Interview, das Susanne Perl uns über Leonard Bernstein gab, weit weniger eindrucksvoll gewesen. Mit viel Humor schilderte sie, wie Leonard Bernstein seine Fracks bei der Generalprobe vor ihren Augen auf die Fähigkeit, damit gut dirigieren zu können, testete. Vor wenigen Monaten hatte ich noch das große Privileg, mit Susanne Perl über ihre Erfahrung als “Kindertransport-Kind” ein Interview zu führen, das 2021 in unserer Ausstellung “Jugend ohne Heimat' zu sehen sein wird.

Ich bin glücklich und dankbar, dass ich mit Susanne Perl Zeit verbringen und an ihren Erinnerungen teilhaben durfte. Sie wird unvergessen bleiben, wir werden sie sehr vermissen.