Hinter den Kulissen | 18. September 2015

Behind the Lens

von Sebastian Gansrigler
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3 Wochen, 222 Bücher, 1200 Fotos. Noch immer widerhallt das sanfte Rauschen des Seitenumblätterns in meinen Ohren.

Seit drei Monaten bin ich Zivildiener im Jüdischen Museum. Die letzten Wochen hatte ich nun die Aufgabe, die Raritätensammlung der Bibliothek zu fotografieren, anbei möchte ich ein paar technische Details und Hintergrundgedanken erläutern.

Unter der wertvollen Kollektion ließen sich einige ganz besonders spannende, teilweise 500 Jahre alte Stücke finden. Ob gutaussehend, stellt sich hier als Ansichtssache heraus, meine Wenigkeit findet diesen alten Kram jedoch äußerst ansprechend. Der erste Tag verstand sich als Experimentierungsphase und Workflow-Festlegung. Nach kurzer Zeit hat man den Dreh raus und die Bilder im Kasten (oder eher auf der Speicherkarte).

Nun zu den eiskalten, hart-technischen Fakten - versteht sich als Zutatenliste:
Kamera: Canon EOS 6D (Vollformat Spiegelreflex)
Objektive: Canon 24-105 mm f4 + Canon 60 mm f2.8 makro
Blasebalg von Hama (sehr praktische Kamera-, Objektiv-, Hintergrundreinigung und Staubentfernungsgerätschaft)
Gewichte (damit die Seiten auch halten, wie sie halten sollen)
Stativ(e) für alles
Zwei Softboxen mit zwei 45w 220Volt 5500K Glühbirnen zur gleichmäßigen, schattenfreien Ausleuchtung und zusätzlich 1 Reflektor, falls nötig (als Lichtverbreitung und zusätzliche Schattenvernichtung)
Weißes, glattes Papier (als Untergrund und Hintergrund; alles mit Grund)
Ein stabil funktionierendes Computer-Gerät mit mindestens 2 USB-Anschlüssen
1 Steckdose, 1 Steckdosenverteiler, 1 Steckdosenverteilerverteiler
1 Speicherkarte (SanDisk Ultra SD HC I 32GB 30MB/s)
Weiche Ware (oder auch Software genannt): Adobe Photoshop & Lightroom
2 Lithium-Ionen-Akkus + Aufladestation (einer lädt auf, während der zweite in der Kamera ablädt)
2-3 Klemmen zum Fixieren des Hintergrunds
1 USB-Stick (SanDisk 64GB USB 3.0, der speichert sagenhafte 245MB/sek)
1 Weißabgleichkarte oder Würfel
Einen Haufen Geduld und ein gutes Auge

Die Nachbearbeitung (ca. eine Woche) schneide ich nur kurz an, das ist nämlich wieder ein Kapitel für sich. Nach der Strukturierung, richtigen Dateinamenvergabe und der Detail-Retusche in Photoshop geht es in Lightroom weiter: Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Hellen, Tiefen, Scharfzeichnung, Objektivkorrektur, Chromatische Aberrationskorrektur, Crop & Ausrichtung. Fix und fertig: Dann wird alles in zwei Versionen exportiert und in die Datenbank eingespielt. Eine hochauflösende TIF-Version mit der größten Farbtiefe und 300 dpi für einen scharfen Druck, eine stark komprimierte, verkleinerte JPG-Version, besser für eine Schnellansicht und Web-Verwendung geeignet.

Wunderbar und wandelbar. Die Fotografie ist eine Poesie für sich, ein konzentriertes Schaffen, ein Festhalten, ein Einfangen. Ich bedanke mich hiermit für den schönen Fotoauftrag und gedenke meine Schilderung zu beenden. Ich bin gespannt, was die Zivildienstzeit im JMW noch so bringt.

 

© Sebastian Gansrigler
© Sebastian Gansrigler
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