Nahaufnahme | 17. November 2020

Können Sie Mahjong spielen?

von Hannah Landsmann
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Seit November 2013 befindet sich das Mahjong-Spiel, das Oskar Rosenzweig aus seinem Exil in Shanghai mitbrachte, als er im Februar 1947 am Meidlinger Bahnhof ankam und sich vom Wiener Bürgermeister Theodor Körner begrüßen ließ, in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Wien. Mit dem Titel „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“ bezieht sie nicht nur alle Besucherinnen und Besucher ein, gleich ob die nun wirklich aus Wien stammen oder als Gäste von weither angereist sind, sondern auch alle Dinge und alle Geschichten, selbst wenn sie nicht mehr zu erzählen sind. Oskar Rosenzweig hat nie besonders viel geredet, nach seiner Rückkehr nach Wien war er noch schweigsamer und auch misstrauischer geworden. Seine Stieftochter Elisabeth Buxbaum überließ uns das Spiel als Leihgabe und meinte, dass wir im Museum nun das tun sollen, was sie mit ihrem Vater nicht mehr zu tun vermochte: reden. Herr Rosenzweig und mit ihm sein Spiel sind wichtige Protagonisten von Kinderprogrammen und Workshops. Von amerikanischen jüdischen Besucherinnen und Besuchern wissen wir, dass es „the american way“ des Spiels gibt und die viel leichter sei als die chinesische. Und dass es Vereine und Clubs gibt, in denen man sich zum Mahjong-Spiel trifft. Nicht allzu verwunderlich, dass die Spielerinnen und Spieler in den amerikanischen Vereinen oft eine jüdisch-europäische Geschichte von Exil und Neubeginn erzählen.
 
Werfen Sie einen genauen Blick auf das Mahjong-Spiel bei Google Arts & Culture.
 
Foto © Sebastian Gansrigler
 
Die 1926 in Frankfurt geborene Ingeborg Mannheimer lernte in Shanghai den Wiener Fritz Hungerleider kennen. Die beiden heirateten und kehrten 1947 nach Wien zurück. Ingeborg Hungerleider hat als Leihgeberin der Ausstellung „Die Wiener in China“ unzählige Objekte zur Verfügung gestellt, auch ein Mahjong-Spiel. Wir müssen Ingeborg Hungerleider bei Gelegenheit fragen, ob sie es spielen kann.
 
Nicht so einfach. Es gibt eine recht große und eher unüberschaubare Anzahl an Steinen, man spielt zu viert, der Tisch darf nicht zu groß sein, der Älteste beginnt zu würfeln, mit der Augensumme der beiden Würfel wird ermittelt, wo der Stein „Ostwind“ liegt. Der Tisch wird als Himmelskarte betrachtet. Im Osten geht’s los. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt es eine Gewinnerin oder einen Gewinner. Die Autorin dieses Beitrags hat nach einer zweistündigen Einführung durch einen Herrn aus Korea weder die Spielregeln verstanden noch vermocht, die Symbole auf den Steinen zu unterscheiden. Er versicherte ihr, das würde schon werden. Mahjong lässt sich auch am Computer spielen. Vielleicht ist diese Version noch leichter als die angeblich leichte amerikanische Variante?
 
Der Amerikaner Joseph Park Babcock (1893–1949) verfasste in den 1920-er Jahren ein Regelwerk basierend auf unterschiedlichen Varianten des Spiels, die er während seiner China-Reise kennengelernt hatte. Er nannte es Mah-Jongg und ließ es als Marke eintragen. Dieser im Westen gebräuchliche Name bezeichnet einen Sperling. der auf einem Spielstein abgebildet ist.
 
Titelbild © David Peters